Foto: Ebreo, Gugliel­mo. (1993). De pra­ti­ca seu arte tri­pu­dii = On the prac­tice or art of dan­cing. (year of ori­gi­nal publi­ca­ti­on: 1463.) Oxford: Cla­ren­don Pr.

Wozu Tan­zen? Wozu Tan­zen ler­nen?

Tan­zen ler­nen am Inz­Tanz

Unse­re Unter­richts­phi­lo­so­phie
Tanz ist grund­le­gend für die mensch­li­che Natur; er gehört zu den Grund­for­men, nicht nur des indi­vi­du­el­len Aus­drucks, son­dern auch des kul­tu­rel­len. Alle Kul­tu­ren orga­ni­sie­ren Bewe­gung und Rhyth­mus in eine oder meh­re­re Tanz­for­men. Wäh­rend Tanz Ver­gnü­gen, Unter­hal­tung und Zeit­ver­treib sein kann, kann er genau­so der Balz die­nen — oder auch sakral sein. Egal wel­cher Prä­gung, Tanz ist immer ein mäch­ti­ges Medi­um zur Ver­mitt­lung von Wer­ten und Vor­stel­lun­gen rund­um die mensch­li­che Erfah­rung.

Am Inz­Tanz inter­es­siert uns eine Tanz­art ganz beson­ders: die Künst­le­ri­sche. Denn mit Kunst kom­mu­ni­ziert der Mensch der Sinn des Lebens. Die­ses mensch­li­che Bedürf­nis nach Sin­nes­ver­mitt­lung kann der künst­le­ri­sche Tanz — ohne wei­te­re Mit­tel als der Kör­per als sein Instru­ment — nicht nur bedie­nen, son­dern gera­de­zu zele­brie­ren.

Am Inz­Tanz beschäf­ti­gen wir uns an ers­ter Stel­le damit.

Was bedeu­tet es aber eigent­lich, sich mit künst­le­ri­schen Tanz zu beschäf­ti­gen? Heisst es, dicke Wäl­zer zur Tanz­ge­schich­te zu lesen? Heisst es, Kör­per zu beob­ach­ten, die sich sehr merk­wür­dig bewe­gen? Heisst es, man ist abge­ho­ben, selt­sam oder lang­wei­lig?

Nein. Sich mit künst­le­ri­schen Tanz zu beschäf­ti­gen bedeu­tet, sich der Fas­zi­na­ti­on der kör­per­li­chen Bewe­gung als expres­si­ve und kom­mu­ni­ka­ti­ve Spra­che hin­zu­ge­ben. Die Beschäf­ti­gung mit künst­le­ri­schen Tanz bil­det das Wis­sen um die Ästhe­tik. Sie för­dert die per­sön­li­chen Fer­tig­kei­ten sich durch Bewe­gung dif­fe­ren­ziert zu arti­ku­lie­ren. Aber, noch wich­ti­ger, sti­mu­liert qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Bil­dung im künst­le­ri­schen Tanz auf lan­ge Sicht ein bewuss­tes Ver­ständ­nis der ver­schie­de­nen Spra­chen der Bewe­gung, deren phy­si­schen Bedin­gun­gen, sowie die Mög­lich­kei­ten des aus­füh­ren­den Kör­pers. Mit fort­ge­setz­ter Beschäf­ti­gung, dif­fe­ren­ziert und ver­fei­nert sich das Ver­ständ­nis — sogar ein Leben lang.

Ein gross­ar­ti­ges Ange­bot in unse­rer bewe­gungs­ar­men Welt — eine Welt vol­ler poten­zi­el­len, auch vir­tu­el­len, Kon­tak­ten mit Men­schen ganz unter­schied­li­cher Her­kunft.

Inz­Tanz: geleb­te Inklu­si­on und Inte­gra­ti­on
Künst­le­ri­scher Tanz rüs­tet nicht nur phy­sisch und geis­tig für Begeg­nun­gen unter­schied­li­cher Art. Er ist am Inz­Tanz selbst­ver­ständ­lich geleb­te Inklu­si­on und Inte­gra­ti­on:

Die Ler­nen­de am Inz­Tanz

  • sind zwi­schen 2 und 78 Jah­re alt (in man­chen Kur­sen beträgt die Alters­span­ne der Ler­nen­den 60 Jah­re)
  • sind männ­lich und weib­lich
  • haben unter­schied­lich  Lebens­si­tua­tio­nen
    • vom Flücht­ling zu Pro­fes­sor,
    • vom KFZ-Mecha­ni­ker zu Poli­ti­ker,
    • vom Kita-Kind zum Rent­ner,
    • von Haus­frau und Mut­ter zur CEO eines IT-Unter­neh­mens.

Unse­re Ler­nen­de meis­tern unter­schied­li­che Her­aus­for­de­run­gen — sogar die der Schwer­be­hin­de­rung.

Hier ler­nen und arbei­ten Men­schen aus min­des­tens 27 Län­dern, dar­un­ter

Deutsch­land, Frank­reich, Hol­land, Öster­reich, Bel­gi­en, Groß­bri­tan­ni­en, Nor­we­gen, Spa­ni­en, Ita­li­en, Grie­chen­land, Slo­wa­kei, Ungarn, Russ­land, Tür­kei, Isra­el, Syri­en, Ägyp­ten, USA, Kana­da, Bra­si­li­en, Kolum­bi­en, Kenya, Süd­afri­ka, Nami­bia, Japan, Chi­na und Aus­tra­li­en.

Weil man­che Ler­nen­de kei­nen Deutsch spre­chen — vor allem For­scher aus aller Welt am Max-Planck-Insti­tut und der Uni­ver­si­tät —, fin­den man­che Kur­se bei Bedarf auch auf der Welt­spra­che Eng­lisch statt — die Fach­spra­che des Bal­letts ist ohne­hin Fran­zö­sisch, die der Musik Ita­lie­nisch.

Wir Ihr sieht, Inz­Tanz ver­eint, und bil­det:

Der künst­le­ri­sche Tanz als Bil­dungs­an­ge­bot bie­tet Ler­nen­de Erfah­run­gen, die zum Nach­den­ken anre­gen, und die vie­le Kunst­for­men und Dis­zi­pli­nen ver­ei­nen. Die Gestal­tung von Raum, Zeit und Ener­gie mit kör­per­li­cher Bewe­gung, sowie deren Anrei­che­rung mit dra­ma­ti­schen Mit­teln, bie­tet eine umfas­sen­de, berei­chern­de und phy­sisch-freu­di­ge Erfah­rung für jede und jeden.

Was macht (Inz)Tanz mit dem Kör­per?

Ana­to­mie und Phy­sio­lo­gie

  1. Kogni­ti­on: Das Gehirn wird bes­ser durch­blu­tet und mit Sauer­stoff ver­sorgt. Das führt zu erhöh­ter Wach­heit und ver­bes­ser­ten Funk­tio­nen des Gehirns.
  2. Lim­bi­sches Sys­tem: moti­viert die Mus­kel­be­we­gung (Moto­rik). Das Groß­hirn steu­ert die Moto­rik und Sen­so­rik und lei­tet Impul­se über das Rücken­mark an die Mus­keln wei­ter. Das Klein­hirn koor­di­niert die Sin­ne­s­im­pul­se aus dem Rücken­mark (Sen­so­rik). Vor­aus­set­zung: auf­rech­te Hal­tung!
  3. Neu­ro­na­les Netz: Die Ver­knüp­fung der Gehirn­zel­len, d.h. der Gedächt­nis­spei­cher, nimmt zu. Im Lau­fe des Lebens baut das so genann­te neu­ro­na­le Netz im Regel­fall ab. Durch koor­di­nier­te rhyth­mi­sche Bewe­gungs­ab­läu­fe wird das Gehirn jung erhal­ten. Bereits ver­küm­mer­te Gehirn­area­le kön­nen wie­der­be­lebt wer­den (FELDENKRAIS). Tan­zen ver­bes­sert in jedem Alter das Gedächt­nis, das Lern­ver­mö­gen und die Krea­ti­vi­tät.
  4. Hor­mo­ne: Der Sero­to­n­in­ge­halt im Gehirn steigt bei wie­der­hol­ten Bewe­gungs­ab­läu­fen an. Sero­to­nin ist der Stoff, der die Stim­mung hebt und Abstand von den täg­li­chen Sor­gen neh­men lässt. Tan­zen stei­gert das Hypo­phy­sen­hor­mon ACTH. Es ist das Krea­ti­vi­täts­hor­mon, wel­ches den Kör­per ent­spannt, den Geist aber hell­wach macht. Tän­zer lösen Pro­ble­me krea­tiv. Die rech­te Gehirn­hälf­te wird stän­dig akti­viert.
  5. Endor­phi­ne: Bei gestei­ger­tem Bewe­gungs­tem­po wer­den nach einer gewis­sen Zeit Endor­phi­ne (kör­per­ei­ge­ne Dro­ge) aus­ge­schüt­tet. Man ver­spürt Ent­span­nung und Zufrie­den­heit nach und wäh­rend sei­ner Leis­tung.
  6. Gelen­ke und Bän­der: Im Tanz wird die Belas­tung der Gelen­ke durch effi­zi­en­te Mus­kel­ar­beit redu­ziert und gleich­mä­ßig ver­teilt, wel­che Über­las­tun­gen bestimm­ter Gelen­ke ent­ge­gen­ge­wirkt. Die Beweg­lich­keit der Gelen­ke wird erhal­ten oder ver­bes­sert; die Bän­der über­neh­men ihr Auf­ga­be zur Unter­stüt­zung der Gelen­ke.
  7. Wir­bel­säu­le: Durch Hal­tungs­trai­ning und funk­tio­nel­le Übun­gen wird die Beweg­lich­keit der Wir­bel­säu­le erhal­ten oder ver­bes­sert. Der Hal­tungs­ap­pa­rat wird bewusst trai­niert. Band­schei­ben­schä­den wird damit vor­ge­beugt, d.h. sie wer­den ver­mie­den.
  8. Inne­re Orga­ne: Je nach Belas­tung wird das Herz leis­tungs­fä­hi­ger und die gesam­te Durch­blu­tung ange­regt. Die gestei­ger­te Sauer­stoff­ver­sor­gung ver­bes­sert die Belüf­tung und Durch­blu­tung der Lun­ge und Koh­len­di­oxyd wird schnel­ler aus­ge­schie­den.
  9. Immun­sys­tem: Die Anzahl der Kil­ler­zel­len wird durch Tanz­trai­ning posi­tiv beein­flusst. Die Fähig­keit der Immun­zel­len, uner­wünsch­te Ein­dring­lin­ge zu ver­nich­ten, steigt durch Bewe­gungs­trai­ning deut­lich an. Bei aus­dau­ern­dem Tan­zen in gestei­ger­tem Tem­po ver­än­dert sich das Enzym­sys­tem posi­tiv. Es bil­den sich fett­ver­bren­nen­de Enzy­me. Bewe­gung erhält den Mito­chon­dri­en­be­satz der Zel­le. Damit stei­gen Leis­tungs­fä­hig­keit und Kon­zen­tra­ti­on.